Nicolas Scholz (2015): Die Bedeutung von Schule in den Zukunftsvorstellungen von Jugendlichen

Meine Examensarbeit im Rahmen des Studiums des Förderschullehramts an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg widmet sich der Rolle von Schule in den Zukunftsvorstellungen von Jugendlichen in Deutschland und in Ghana. Ich nehme die international vornehmlich quantitativ diskutierten Perspektiven auf Schule und Bildung (z. B. die PISA-Studie, aber auch globale Erhebungen wie den Education for All Global Monitoring Report der UNESCO) zum Ausgangspunkt einer qualitativ-rekonstruktiven Untersuchung, die Zukunftsvorstellungen von Schülern daraufhin befragt, welche Rolle sie formaler Bildung zuschreiben – an dieser Stelle stoßen quantitative Großstudien schnell an ihre Grenzen und verharren auf einer beschreibenden Ebene. Der Frage nach der Relevanz, die Teilnehmer an formalisierter Bildung dieser Form institutioneller Bildung zuschreiben liegt wiederum die These zugrunde, dass es global Differenzen in Diskussionen um Bildung gibt (Sicherung und Spitzenförderung vs. Grundsicherung) und, dass diese Diskussionen global unterschiedlich verteilt sind. Ob und inwiefern diese Diskussionsrahmen einen Einfluss auf die Perspektiven der Schüler haben soll mittels interpretatorischer Zugänge zu Interviews mit Jugendlichen geklärt werden. Als Beispielstaaten wurden Deutschland als Vertreter der OECD und Ghana als Vertreter von Subsaharaafrika ausgewählt, um einerseits das Sample im Sinne der Ausgangsthesen kontrastiv anzulegen und anderseits, da ich forschungspragmatisch auf Material aus einem deutsch-ghanaischen Forschungsprojekt an der University of Education, Winneba (UEW, Ghana) und der Europa-Universität Flensburg (EUF, Deutschland) zurückgreifen konnte. Das sich momentan in einer Pilotphase Projekt erforscht kulturvergleichend und interdisziplinär Zukunftsvorstellungen von Kindern und Jugendlichen und widmet sich aus erziehungswissenschaftlicher u. a. der Frage der Rolle von Sozialisationsinstanzen, wie z. B. der Schule, die auch in meiner Untersuchung im Zentrum steht.

Durch die Möglichkeit, mich einer Gruppe von Studierenden und Dozentinnen der EUF unter der Leitung von Bea Lundt anzuschließen, konnte ich im September/Oktober dieses Jahres für einen sechswöchigen Rechercheaufenthalt nach Ghana reisen. Dort habe ich an einigen Unterrichtsstunden in Schulen teilgenommen, habe Vorlesungen der Lehrerbildung an der UEW besucht und Gespräche mit Erziehungswissenschaftlern und anderen im Bildungssystem Ghanas Tätigen geführt. Diese Eindrücke möchte ich nutzen, um die Analyse von Schülerinterviews, die bereits vor der Reise innerhalb des oben erwähnten Forschungsprojekts geführt wurden, zu ergänzen und abzusichern.

Durch die Reise konnte ich so einen generell einen Eindruck des Landes und seines Schul- und Bildungssystems bekommen und in persönlichen Gesprächen meine vorab formulierten  Fragestellungen und Thesen diskutieren. Dabei wurde mir der Zugang zu diesen Systemen und Kontakte durch das Netzwerk von Bea Lundt erschlossen und ich konnte so Informationen aus erster Hand erhalten bzw. auch, in Bezug auf die Beobachtungen in Schulen, den Alltag der Bildungsinstitutionen selbst erleben. Ich hatte z. B. die Möglichkeit das deutsch-ghanaische Ehepaar Ingrid und Peter Kwadjoe Fordjor in Achimota/Accra zu besuchen und mit ihnen ausführlich über Gemeinsamkeit und Differenz der Entwicklung und des Stellenwerts formalisierter Bildung in beiden Ländern zu diskutieren. Durch ihre Tätigkeit und Erfahrungen in den Bildungssystemen beider Ländern stellten sich ihre Perspektiven – und auch Kritikpunkte an meinen Thesen! – einen außerordentlich großen Gewinn für meine Recherchen dar. Ebenso wertvoll waren Gespräche mit Schul- und Bildungsforschern am Institute for Educational Research and Innovation Studies der UEW, die mir ausführliche Einblicke in historische Belange und aktuelle Thematiken des ghanaischen Bildungssystems gewährten.

So habe ich durch die Reise ein Bild des Schul- und Bildungswesens in Ghana gewonnen, habe seine Strukturen erkundet und mich mit seinen Akteuren ausgetauscht. Wenngleich dieses Bild im Rahmen der für diesen Themenkomplex doch recht knapp bemessenen Zeit keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Ausgereiftheit beanspruchen kann, so konnte ich doch notwendige Erfahrungen und Informationen sammeln, die die kulturvergleichende Arbeit am Interviewmaterial in vielfacher Hinsicht bereichern.

(Text und Fotos: Nicolas Scholz, Layout Nina Paarmann)

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