Neuerscheinungen 2017

Materialien über Deutschen Kolonialismus aus der Perspektive der Betroffenen

 

in einer Video-Dokumentation der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)

 
Die Erforschung des Deutschen Kolonialismus hat in den letzten Jahren gewaltige Fortschritte gemacht. Nach wie vor aber hapert es an dem Austausch europäischer Wissenschaftler*innen mit afrikanischen Kollegen*innen. Es fehlt daher die afrikanische Perspektive der Betroffenen in den Darstellungen. Zu Recht machen Afrikaner*innen immer wieder auf diesen Mangel aufmerksam. Auf Wunsch von Dr. Wazi Apoh (University of Ghana in Legon bei Accra) veranstaltete ich daher mit ihm zusammen  2011 an der Universität Winneba (Ghana) eine Tagung über Deutschen Kolonialismus in Westafrika, auf der Kollegen aus Kamerun, Togo, Ghana, den Niederlanden und Deutschland sich austauschten. Die Erträge erschienen 2013.
 
Die Ergebnisse der Forschungen vor allem von Dr. Apoh sind beeindruckend und sie geben den bisherigen Forschungen über Westafrika ein neues Gesicht: der Archäologe und Kulturanthropologe, der seinen PhD in New York erwarb, gräbt seit Jahren Relikte deutscher Kolonialgebäude in der Volta-Region aus, zeigte dabei die Präsenz von Deutschen auch im heutigen Ghana und kontextualisierte seine zahlreichen Funde durch Archivstudien. Die VW-Stiftung bewilligte Dr. Apoh im Jahre 2013 ein VW-Forschungsprojekt, das auf fünf Jahre verlängert wurde bis 2018. Als Präsident der WAAA (West African Archaeological Assosiation) wurde er soeben nach einer von ihm organisierten sehr erfolgreichen Tagung in Accra (10. – 14.07.2017) wiedergewählt, ein Zeichen der Anerkennung seiner Aktivitäten. Den Bericht über die Tagung finden Sie unter Vorträge und Tagungen 2017 auf diesem blog.
 

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Dr. Wazi Apoh, Head of Department des Instituts für Archaeology and Heritage Studies mit Prof. Dr. Bea Lundt, FU Berlin auf der Exkursion zum Krobo Mountain. l Foto: Nina Paarmann

 
Die Tagung war mit zwei Exkursionen verbunden, bei denen Dr. Apoh Orte kolonialer Aktivitäten vorstellte.
 
Seine spektakulären Arbeiten fanden auch in Deutschland breite Beachtung und flossen in die verschiedenen Ausstellungen 2016 über den Deutschen Kolonialismus in Afrika mit ein. Die Bundesstelle für politische Bildung (bpb) publizierte nun 2017 eine Serie von 5 Dokumentations-Filmen über den Deutschen Kolonialismus, in denen Afrikaner*innen aus ihrer Sicht die Kolonialzeit kommentieren. Gezeigt werden auch die Schauplätze der Kolonialherrschaft. Die grundlegenden Arbeiten von Dr. Apoh erfüllen in diesen Filmen, die breite Kommentare von ihm enthalten, eine Schlüsselfunktion.
 
Erläuterungstext der bpb zur Filmdokumentation über den deutschen Kolonialismus:
 
„Die „Remix. Africa in Translation“- Veranstaltungsreihe startete im Juni 2016 mit dem jährlich an der Universität Bayreuth stattfindenden „BIGSAS Festival Afrikanischer- und Afrikanischdiasporischer Literaturen“. 2016 widmete sich das BIGSAS Literaturfestival dem künstlerischen Mittel des ReMIXing (Neu-Mischen/Neu-Kombinieren) und wurde im 2. Halbjahr 2016 mit einer Veranstaltungsreihe und Dokumentation auf dem afrikanischen Kontinent verknüpft.

Das ReMIX-Projekt begab sich in der zweiten Jahreshälfte 2016 auf die vier Reisen in die deutschen Ex-Kolonien auf dem afrikanischen Kontinent. „Welche Rolle spielt die koloniale Vergangenheit für die afrikanische Gegenwart?“ – so die zentrale Fragestellung des ReMIXProjekts, das den Perspektivwechsel hin zu jenen vollzieht, die die koloniale Erfahrung in ihren Ländern erbten und so einen Dialograum zwischen afrikanischen Expertinnen und Experten schaffen wollte. Auch die personelle Zusammensetzung der vier ReMIX-Teams folgte der Idee des ReMIX, mit Nadja Ofuatey-Alazard (Projektleitung/Produktion) und Nicolas Grange (Regie/Kamera) als den beiden Konstanten und pro Länderreise einer deutschen und einer afrikanischen Co-Kuration. Zu den strukturgebenden ReMIX-Themen im Rahmen der Filmreihe gehörten der Versklavungshandel als Vorläufer des Kolonialismus ebenso wie die wiederkehrenden Themenkluster von Mission und kolonialer Landnahme, wirtschaftlicher Ausbeutung und Zwangsarbeit, Krieg und Genozid, Formen kolonialer Herrschaftsausübung und Kollaboration, militärischem und zivilem Widerstand, medizinischen Experimenten und rassistischer Forschung sowie dem Raub von Gebeinen und Artefakten.“
(Text siehe bpb: http://www.bpb.de/mediathek/254148/remix-africa-in-translation-intro)
 
Die 5-Teilige Dokumentation sowie eine Einführung ins Thema finden Sie ebenfalls auf des Seite der Bundeszentrale für politische Bildung unter:
 
http://www.bpb.de/internationales/weltweit/postkolonialismus-und-globalgeschichte/254137/remix-doku-serie
 
 

Juli 2017: Rezension des Buches: Mensah Wekenon Tokponto: Der Regenwurm und sein Onkel. Märchen aus Benin. Quellen und Kommentare. Berlin 2015. (Bea Lundt hg.).

 
Verfasst von Sinseingnon Germain Sagbo (Germanist an der Universität Abomey-Calavi, Benin), erschienen in der Fabula, Zeitschrift für Erzählforschung, Bd. 58, Heft 1-2, Juli 2017, S. 196 – 198. Sie finden die Rezension hier zum download:

fabula-2017-0021_Sagbo_LIT
 

Frühjahr 2017: Rezension des Bandes: Bea Lundt/ Christoph Marx (eds.): Kwame Nkrumah. A Controversial African Visionary. Franz-Steiner-Verlag Stuttgart 2016.

 
Verfasst von Samuel Zalanga (Soziologe an der Bethel University, Minnesota, USA), erschienen im Journal: Africa Today, Indiana University Press, Volume 63 (3), Frühjahr 2017, S. 114 – 115. Sie finden die Rezension hier zum download:
 
Rez. Nkrumah 2017
 

Im Januar 2017 erschien der folgende Band:
 

Bärbel Völkel, Tony Pacyna (Hg.): Neorassismus in der Einwanderungsgesellschaft. Eine Herausforderung für die Bildung. Transcript-Verlag Bielefeld 2017, 262 S.

 
Neorassismus in der Einwanderungsgesellschaft
 
ISBN 978-3-8394-3454-3
 
Darin der Aufsatz von Bea Lundt: „Die koloniale Mentalität in nachkolonialer Zeit. Zu Genese, Erscheinungsformen und Wandel einer Bewusstseinsform. S. 57 – 88.
 
Weitere Informationen zum Inhalt finden Sie auf der homepage des transcript-Verlages unter: http://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-3454-9/neorassismus-in-der-einwanderungsgesellschaft
 
Eine erste Rezension des Sammelbandes aus der Feder von Prof. Dr. Christine Labonté-Roset erschien in „socialnet. Das Netz für Sozialwirtschaft“. Die Rezension ist abzurufen unter: https://www.socialnet.de/rezensionen/22337.php

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