Projekte und Events 2018

Rückgabe – und mehr!

Die Restitutionsdebatte über Werke aus Kolonialbesitz greift zu kurz. Sie verkennt die Chance, die diese Objekte für eine gemeinsame globale Geschichtspolitik bieten

Artikel von Rebekka Habermas und Ulrike Lindner, erschienen in der ‚Zeit‘, 13.12.2018

Am 13.12.2018 erschien in der ZEIT ein Aufruf von Rebekka Habermas und Ulrike Lindner, den viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit ihren Unterschriften unterstützt haben. Rebekka Habermas, die selbst lange in Togo geforscht hat, hat ihn angestoßen. Es geht darum, dass die Rückgabe von Raubkunst an ehemalige Kolonien nicht ausreichend sei. Sie müsse ergänzt werden durch eine aktive Geschichtspolitik, die, institutionell abgesichert, die entangled history wirklich gemeinsam erforscht und bearbeitet, also einen neuen Umgang mit Kolonialgeschichte begründet.
Sie finden den Artikel hier zum download:

November 2018: Verleihung des Deutschen Afrikapreises an Gerald Bigurube (Tanzania) und Clovis Razafimalala (Madagaskar)

27.11.2018, Allianzforum Berlin

Damit wurden zum ersten Mal zwie Umweltschützer geehrt. Die Laudatio hielt Wolfgang Schäuble, der die globale Verantwortung für Umweltschutz hervorhob und auf die besondere Bedeutung des afrikanischen Kontinentes für die Bundespolitik hinwies.

Bilder der Veranstaltung

 

Eine Presseerklärung finden Sie auch auf der Internetseite der Deutschen Welle“ unter:https://www.dw.com/de/deutscher-afrika-preis-2018-an-gerald-bigurube-und-clovis-razafimalala-in-berlin-verliehen/a-46479136

Oktober 2018: Evaluationstreffen des Projektes „Entangled Colonial Memories – Globales historisches Lernen für nachhaltige Entwicklung“ mit den Studierenden und ihren Dozentinnen an der University of Education Winneba, Ghana

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) bewilligte im März 2017 Prof. Bea Lundt und Prof. Martin Lücke auf ihren Antrag in Kooperation mit dem Berliner Senat für Jugend, Kultur und Familie ein Projekt für die Jahre 2017-2019. Geschichtsstudierende der University of Education Winneba (UEW) in Ghana sollen im Austausch mit Geschichtsstudierenden der Freien Universität Berlin Relikte der Kolonialzeit in beiden Ländern erforschen und dokumentieren.

Im Anschluss an die gegenseitigen Austauschreisen diskutierten Prof. Bea Lundt und Nina Paarmann am 03.10.2018 mit den im Juli 2017 nach Berlin gereisten Studierenden der University of Education Winneba, Ghana und ihren beiden Dozentinnen, Anitha Oforiwaa Adu-Boahen und Justina Akansor, die Erfahrungen der Begegnungsreisen.

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Siehe hierzu auch die Projektbeschreibung zu „Entangled Colonial Memories – Globales historisches Lernen für nachhaltige Entwicklung“ auf diesem blog sowie unter „aktuelles 2018“ (s.u.).

 

September 2018: Besuch der Vereinten Nationen in New York City

Im September besuchten wir die Vereinten Nationen in New York City. Kurz nach dem Tode von Kofi Annan, dessen im gesamten Gebäude gedacht wurde, sahen wir auch das von ihm initiierte Memorial für den Sklavenhandel im Zentrum des Geländes. Ganz nach westafrikanischer Tradition ist die Gedenkstätte durch ein Wasserbassin so angelegt, dass Besucher und Besucherinnen ‚Libation‘, das traditionelle westafrikanische Trankopfer, durchführen können, um den Opfern zu gedenken.

 

 

Juli 2018: ASA-Foto-Stories 2018 zum Thema „Handel oder Handeln“

Auch in diesem Jahr war Bea Lundt wieder Teil der Jury für die eingesendeten Beiträge. Sie selbst schreibt dazu: „Ich freue mich, wieder Teil der Jury für die ASA-Foto-Stories sein zu dürfen. Diese Aktivität des ASA ist eine sehr wertvolle Ergänzung der Aufenthalte, sie fördert die Auswertung und Reflexion der Reisen und Aktivitäten vor Ort, und sie lässt andere an den Erfahrungen partizipieren. Die Ergebnisse sind immer wieder faszinierend.“ (Bea Lundt)

Weitere Informationen zur Jury finden Sie unter: https://asa.engagement-global.de/jury-2018.html

Das Thema der diesjährigen Ausschreibung der ASA-Foto-Stories lautete „Handel oder Handeln?“ Gefragt waren Beiträge aus den Bereichen „Prosa und Lyrik sowie Fotografie und Kurzfilm“, die sich machtkritisch mit Bildern und Sprache auseinandersetzen.

Jedes Jahr schreibt das ASA-Programm unter einem zentralen Thema die „Foto-Stories “ aus, die es den Teilnehmenden ermöglichen, ihre visuell festgehaltenen Eindrücke aus den besuchten Ländern zu kontextualisieren und zu präsentieren. Es geht darum, „sich mit dem Thema Bildsprache und-rechte sowie mit dem diskriminierungssensiblen Umgang von Bildern und Botschaften zu beschäftigen“. Die eingegangenen Produkte: Fotos/Prosa/Kurzfilm werden von einer Jury gesichtet und kommentiert. Die Produkte sind jetzt vom ASA online gestellt worden und einsehbar. Viel Spaß beim Nachdenken!!

 

Die Fotobeiträge:

Sarah Buck

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15.04.2018, 23:50 / Grenze Rumicacha Ecuador

Aus weiter Ferne lässt sich eine nicht enden wollende Schlange wahrnehmen. Ich befinde mich in Rumicacha, Grenzübergang zwischen Kolumbien und Ecuador. Im Schneckentempo bewegt sich die Schlange fort, Richtung Migrationsschalter auf kolumbianischer Seite,danach auf ecuadorianischer Seite. Für mich und viele Andere soll sich dies 14 Stunden hinziehen. Meiner ist rot – seiner blau. Er ist in Venezuela geboren – ich in Deutschland. Ich reise nach Ecuador der Reiselust wegens – er reist nach Argentinien. Arbeit suchen, seine noch in Venezuela lebende Familie finanziell unterstützen. Ich habe es seit 1,5 Jahren nicht mehr nötig zu arbeiten, da mich ein gesichertes Einkommen mit ausreichenden Ersparnissen für die Auszeit ausstattete– Er hat 1,5 Jahre gearbeitet, um sich die Reisekosten nach Argentinien zusammenzusparen.
Venezuela ist reich. Reich an einem weltweit begehrten Handelsgut: Erdoel. Ein Großteil der Bevölkerung: Mittellos, unterversorgt, hungernd trotz Arbeit, leere Supermarktregale, kaum medizinische Versorgung. Ihre Heimat hinter sich lassend; in vor allem andere Südamerikanische Länder reisend. Einige lachen, Andere weinen. Einige reden, Andere schweigen. Ich fühle dumpfe Handlungsunfähigkeit. Ein paar Dollar abgeben, Essen teilen, ZUHöREN, WEITERSAGEN! Für mich endet die Reise in Ecuador – er reist weiter. Weitere Stunden an Grenzen, im Bus, am Warten. Moisés sagt, für ihn sei diese Reise auch ein Abenteuer. Er macht Fotos, notiert detailgetreu Erfahrungen, Busverbingungen, Preise. Um es mit seiner Familie zu teilen und um die Informationen in Foren zu teilen- andere VenezolanerInnen beim Verlassen Venezuelas unterstuetzen. Er sagt auch: “Schon so weit weg von Venezuela. Schon so weit weg.”

 

Thomas Müller

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21.10.2017, La Laguna, Nicaragua
Name(n) der abgebildeten Personen: María Jesus Centeno

Das Thema Handel war für mich ein zentrales Thema während meines Praktikums bei der Fraue kooperative „To a zi tlalli“ in Nicaragua. Die Frauen der Volksgruppe Matagalpas bauen nicht nur ihren eigenen Kaffee an, sondern verarbeiten und vertreiben diesen auch selbst unter ihrer eigenen Kaffeemarke „Café D`Yasica“. Bisher für den regionalen Markt, soll der Kaffee langfristig auch international verkauft werden. Das wäre nichts anderes als eine kleine Revolution des internationalen Kaffeehandels. Denn bisher wird die überwiegende Mehrheit des weltweit gehandelten Kaffees nicht in den Anbauländern, sondern in den Hauptkonsumentenländern weiterverarbeitet! So kommt es auch dazu, dass Deutschland der weltweit größte Exporteuer gerösteten Kaffees ist. Doch statt diese globale Ungerechtigkeit hinzunehmen, handelten die Frauen aus La Laguna. Sie wollen mit der Weiterverarbeitung des Kaffees das ganze Jahr über Arbeit und Einkommen schaffen und mehr Wertschöpfung in Nicaragua belassen. Damit kritisieren sie nicht nur die weltweit ungerechten Handelsstrukturen, sondern wollen durch ihre Idee den weltweiten (Kaffee)Handel ein Stück weit FairÄndern.

 

Thomas Lettau und Inger Witzenhausen

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März, Madikeri, biodynamische Farm in Indien

Ein Insekt verweilt auf einer jungen Kaffeepflanze. Eigentlich nichts besonderes und doch ist es genau dieser Augenblick, der unsere Aufmerksamkeit für sich gewinnt. Andächtig beobachten wir den stillen Dialog zwischen Gottesanbeterin und dem heranwachsenden Kaffeebaum. Die Besonderheit dieser kurzen Weile liegt, für uns, vor allem in dem Kontext des Bildes. Es ist auf einer biodynamischen Farm in der Nähe des Ortes Madikeri, umrundet von den Western Gahts, entstanden. Nachhaltige Landwirtschaft ist der Fokus, um die natürliche Fülle des zerbrechlichen Ökosystems aufrecht zu erhalten. Der Einsatz von chemischen Schädlingsbekämpfungsmitteln ist nicht notwendig, da das gesunde Ökosystem sich selbst reguliert. Ein Beispiel unter vielen? Schön wär‘s. Durch weiträumige landwirtschaftliche Flächen wird der Tierwelt, vor allem den Insekten ein Lebensraum genommen, wohingegen deren Wirken in der Natur notwendig ist für ein stabiles Gleichgewicht. Die Handlung, diese Farm entgegen allem ausbeuterischen Handel mit einer derartigen positiven Energie zu betreiben, hat uns sehr berührt und in unserem Handeln bestärkt. Über einen bewussteren Konsum zu mehr Gleichgewicht auf politischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Ebene. Der Dialog zwischen Insekt und Pflanze hoffentlich nie beendet.

 

Saskia Wulfinghoff

Wo kommt unsere Kleidung her? Wie wird unsere Kleidung hergestellt? Wer designt, stellt den Stoff her, schneidet ihn, näht alles zusammen, bearbeitet es und kontrolliert das Kleidungsstück? In welchem Ausmaß wird Kleidung hergestellt? Wie kommt die Kleidung zu uns? Die Textil-Lieferkette ist so global wie kaum eine andere Lieferkette. Hinter jedem Schritt in der Kette, hinter jeder Faser, jedem Faden, jedem Stoff, jedem Schnitt, jeder Naht, jeder Waschung, jedem Finishing verbirgen sich Handlungen von Menschen, die am Ende nicht sichtbar sind und daher nicht wertgeschätzt werden.
Wie handeln wir, wenn wir konsumieren? Denken wir über die Arbeit, die dahintersteckt, nach? Verstehen wir den Aufwand? Empfinden wir den Preis als gerechtfertigt? Schätzen wir das Produkt? Handeln wir fair?

 

Charlotta Sophie Sippel

Buenaventura ist die wichtigste Hafenstadt Kolumbiens am Pazifik, von hier aus werden Kaffee, Zucker, Holz und Gold weltweit exportiert. Buenaventura, Wirtschaftszentrum Kolumbiens und gleichzeitig eine der ärmsten Regionen des Landes. Ein Widerspruch, der u.a. im Hafen selbst begründet liegt: Zum einen kommen die Steuereinnahmen des Hafens nicht der lokalen Bevölkerung zu Gute, im Gegenteil, das Geld verschwindet bevor es den Hafen ver-lässt; zum anderen fungiert der Hafen als Schleuse für systematischen Drogen- und Waffen- schmuggel. Die Stadtteile Buenaventuras, die Zugang zum Meer haben, wie die Zona Humanitaria, sind somit für verschiedenste Akteure von besonderem Interesse. Um den Hafen-ausbau voranzutreiben, werden die dort lebenden Menschen durch Kriminalisierung, Diffamierung ihres Widerstandes, Einsatz von Gewalt, sowie Verweigerung von Basisrechten (Trinkwasserzugang), vertrieben. All jene, die diese Zustände anprangern, befinden sich in ständiger Lebensbedrohung. Seit Jahresanfang wurden schon über 20 politische Morde an sozialen Leadern verzeichnet.
Das Motto HANDEL und HANDELN verdeutlicht die Kontradiktionen dieser Stadt und der globalisierten Welt in der wir leben: Buenaventura als HANDELs-Zentrum Kolumbiens mit der Welt- wobei die zahlreichen Hamburg-Süd Container die Globalisierung des HANDELS symbolisieren und darauf aufmerksam machen, dass wir als Konsument*innen durch unserer eigenes HANDELN auch Verantwortung für glokale Ungerechtigkeiten und die Reproduktion eines Unterdrückungssystems zwischen dem globalen Norden und Süden tragen (Machta- symmetrien, Abhängigkeitsbeziehungen, etc.). Auf der anderen Seite steht das HANDELN der lokalen Bevölkerung, der tägliche Widerstand gegen die Unterdrückung mit dem Motto „El pueblo no se rinde, carajo“ (Das Volk gibt nicht auf, verdammt!), getragen von dem Wunsch nach „Frieden mit sozialer Gerechtigkeit statt Neoliberalismus, der nur wenige reicher macht und die Bevölkerung schindet“ (Bischof von Buenaventura, Héctor Espalza).

 

Die gesamten Einsendungen (Fotos, Videos, Prosa) sind abrufbar unter:  https://asa.engagement-global.de/asa-foto-stories-2018.html

 

 

Entangled Colonial Memories – Globales historisches Lernen für nachhaltige Entwicklung

Februar/ März 2018: Reise von Prof. Lundt mit Kolleginnen und Studierenden der Freien Universität Berlin nach Ghana 

(Text und Foto-Dokumentation von Nina Paarmann)

Das Projekt „Entangled Colonial Memories – Globales Historisches Lernen für nachhaltige Entwicklung“, das Prof. Lundt und Prof. Lücke an der FU Berlin von Engagement Global (BMZ) für die Jahre 2017 – 2019 bewilligt wurde, trat 2018 in seine zweite Phase. Nach dem Besuch von 10 Studierenden. Geschichte der University of Education Winneba, Ghana in Berlin 2017 (siehe hierzu auch Projekte und Events 2017 in diesem blog) fand vom 17.02. – 02.03.2018 bis ein Besuch der 10 Tandemstudierenden Geschichte der FU Berlin sowie ihrer Betreuenden in Ghana statt. Ziel des Besuches war es,  „Spuren des Kolonialismus in Ghana“ durch Fotos zu dokumentieren, die Infos und Eindrücke festzuhalten und zu beschreiben, mit den Tandemstudierenden in Ghana zu diskutieren und die Texte für einen blog sowie eine Publikation aufzubereiten.

Begrüßung an der University of Education Winneba

Zu Beginn des Aufenthaltes organisierte die UEW eine Begrüßungsparty der Gruppe aus Deutschland mit gemeinsamem Abendessen an der Universität. Empfangen wurden die Berliner Studierenden und Dozierenden von Prof. Yaw Ofosu-Kusi, dem ehemaligen Dean der Fakultät für Social Sciences der UEW und langjährigem Kontaktpartner von Prof. Lundt. Auch Eric Nketiah, Head of Department Geschichte der UEW, hieß uns offiziell an seinem Institut willkommen. Zudem begrüßten uns Prof. Yaw Sekyi-Baidoo, Leiter des International Office an der UEW und Andy Argodah, Registrar am IO. Auch die Tandem-Studierenden des History-Departments in Winneba waren anwesend, gemeinsam mit Anitha Oforiwaa Adu-Boahen und Gertrude Nkrumah, den Leiterinnen der Partnergruppe.

Unterhalten wurde wir von Tänzerinnen und Tänzer des ‚Departments für Performing Arts‘ mit Musik und Tanz. Latipher Amma Osei, die Leiterin der Tanzabteilung des ‚Department of Theatre Arts,‘ der UEW erläuterte die Performences, die ihre Studierenden uns vorführten, denn sie erfüllen eine vielfache symbolische Bedeutung und Tradition. Gerade im Norden des Landes werden sie in ihrer traditionellen Botschaft gepflegt. Die UEW legt Wert darauf, die angehenden Lehrer und Lehrerinnen in dieser kulturellen Tradition zu unterweisen

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Zur Begrüßung wurde die Gruppe der FU Berlin offiziell an der UEW empfangen. Dieses Foto zeigt den Auftritt von Studierenden des Instituts für „Performing Arts Education“ der UEW I Foto: Nina Paarmann

Postkolonialer Stadtrundgang durch Winneba und Besuch von Cape Coast Castle

Die europäischen Länder Portugal, Holland, Frankreich, Großbritannien, Brandenburg-Preußen, Dänemark  und Schweden bauten seit dem 15. Jahrhundert entlang der westafrikanischen Küste Handelsniederlassungen und Forts, die bald auch dem Handel mit Sklaven dienten, an dem sich auch die einheimischen Chiefs beteiligten. Einige dieser Burgen sind bis heute gut erhalten und dienen der Erinnerung an die Kolonialzeit. Das gilt vor allem für Cape Coast Castle. Es finden regelmäßig Führungen statt, die überwiegend von Studierenden der University of Cape Coast geleitet werden – die Universität befindet sich direkt hinter der Burg.

Insbesondere für das Projekt der beiden Universitäten sind die Castles von besonderer Bedeutung als ehemalige europäische Handelsstützpunkte. Gemeinsam legten die beiden Gruppen Blumen und Zuckerrohr nieder in einem der Slave Dungeons der Burg zum Gedenken an die Opfer des Sklavenhandels. Der Guide der Gruppe machte anschließend Libation, das traditionelle Trankopfer, und bat somit die Ahnen um Anerkennung.

Auch Winneba, die Stadt unserer Partneruni, an der Küste gelegen, war von uns von besonderem Interesse. Anders als etwa Cape Coast Castle sind die kolonialen Relikte hier nur noch rudimentär erhalten. Neben einem europäischen Friedhof besuchten wir zudem den Chief Winnebas, das traditionelle Oberhaupt des Effutu Municipal Districts. Zudem war Winneba im Unabhängigkeitskampf Mitte der 1950er Jahre das ideologische Zentrum des ersten Präsidenten Ghanas, Kwame Nkrumah.

Vortrag von Dr. Wazi Apoh an der University of Ghana, Legon/ Accra

Der Archäologe Dr. Wazi Apoh (University of Ghana, Legon) widmet sich seit Jahren der Erforschung des Deutschen Kolonialismus in der Volta Region Ghanas.

Die VW-Stiftung bewilligte ihm daraufhin 2013 ein dreijähriges Forschungsprojekt aus dem Programm „Knowledge for Tomorrow. Postdoctoral Fellowships in the Humanities in Sub Saharan Africa and North Africa.“ Dieses Projekt wurde 2016 um drei weitere Jahre verlängert.

Weitere Infos zum Forschungsprojekt finden Sie unter Forschungsprojekte auf diesem blog.

Als Teil des ehemaligen deutschen Schutzgebietes „German Togoland“ sind die Relikte deutscher Kolonialherrschaft in der Volta Region bis in die Gegenwart hinein spürbar. Dr. Apoh hat sich die erinnerungskulturelle Auswertung und Einordnung der von ihm ausgegrabenen Funde zum Ziel gesetzt.

Im Rahmen des Projektes „Entangled Colonial Memories – Globales Historisches Lernen für nachhaltige Entwicklung“ lud Dr. Apoh die Gruppen beider Universitäten (Winneba und Berlin) an die University of Ghana ein und berichtete in einem Vortrag über den aktuellen Stand seiner Forschungen und die Bedeutsamkeit der erinnerungskulturellen Aufarbeitung der globalen Verflechtungsgeschichte.

Exkursion nach Kumasi, Ashanti Region, dem Zentrum des antikolonialen Widerstandes

Neben den unzähligen Sklavenburgen an westafrikas Küste (überwiegend in Ghana erhalten), die als Mahnmale von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurden, besuchten wir im Rahmen des Projektes ebenfalls die Stadt Kumasi in der Ashanti Region Ghanas. Insbesondere unseren Partner*innen der UEW war es wichtig, den oftmals im erinnerungskulturellen Gedächtnis vorherrschenden Opferdiskurs aufzubrechen durch den Besuch des Zentrum des antikolonialen Widerstandskampfes zu Kolonialzeiten.  Bis heute nimmt der Gründungsmythos des Ashanti-Reiches einen elementaren Stellenwert ein im kollektiven Gedächtnis Westafrikas. Der Legende nach empfing Okomfo Anokye 1695 den „Golden Stool“, der bis heute symbolhaft für die Stärke des Königreichs steht – dieser wurde im 19. Jh. von den Briten gestohlen. Die damalige Queen Mother, Yaa Asantewaa, rekrutierte aufgrund dessen eine Armee an Männern und zog mit diesen in den Kampf um das symbolische Kernstück der Kultur. Bis heute zeugen unzählige Statuen in Kumasi vom Stolz dieses antikolonialen Widerstandes.

Eröffnungen der Deutsch-Bibliotheken in Ajumako und Winneba

Im Jahre 2009 wurde erstmalig von Studierenden der UEW Interesse daran geäußert, deutsch zu lernen. Seit 2010 immatrikulieren sich kontinuierlich junge Ghanaer*innen für das Fach „Deutsch“, bisher als Nebenfach – im Jahre 2017 wurde der Studiengang „Germanistik“ nun offiziell als „Bachelors-Degree“ etabliert. Der Unterricht findet sowohl am Hauptcampus der UEW in Winneba statt, als auch auf dem eigens für Sprachen aufgebauten Ajumako-Campus (nahe Mankesim). Mittlerweile konnten drei Deutsch-Dozierende aus den Nachbarländern Togo und Benin gewonnen werden. Die Koordination des Studiengangs läuft über die DAAD-Lektorin für Ghana, Lena Leumer.
In diesem Zusammenhang wurden im Februar 2018 die beiden Deutsch-Bibliotheken auf beiden Campi eröffnet (Buchspender*innen sind u.a. Bea Lundt  und Wolfgang Reinhard). In zwei feierlichen Festakten wurden die beiden Bibliotheken eingeweiht; auch die Deutsche Botschaft Accra war vertreten, repräsentiert durch Gesine Spatz.

Presentation Day an der „Rev. Father John inclusive School“ in Winneba

Seit 2015 finden an der Rev. Father John Inclusive Unit Schulpraktika für Studierende aus dem Bereich Sonderpädagogik statt. Geleitet wird dieses Projekt von Ilona Westphal, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sonderpädagogik an der Europa-Universität Flensburg. Ilona Westphal absolvierte ebenfalls 2011 ein Schulpraktikum an einer Schule in Wurupong, Volta Region, Ghana unter der Leitung von Prof. Bea Lundt.

Zum nunmehr 3. Mal begleitet sie nun selber Studierende nach Ghana, die ihr Masterpraktikum im Bereich „Beeinträchtigung der geistigen Entwicklung“ an der Rev. Father John Schule in Winneba absolvieren. In diesem Zusammenhang findet zum Abschluss der sechswöchigen Praxisphase jeweils ein Presentation-Day in den Räumlichkeiten der Schule statt, zu dem Eltern und Angehörige der Schülerinnen und Schüler geladen werden, um die von ihren Kindern erstellten Materialien zu bestaunen.

In diesem Jahr konnte Frau Westphal die Gruppe leider nicht persönlich begleiten, weshalb Bea Lundt die offiziellen Abschlussakte übernahm.

Weitere Informationen zum Schulpraktikum im Bereich Sonderpädagogik finden Sie auch unter Berichte aus 2015 auf diesem blog.

Der Ghana National History Day an der UEW

Den Abschluss des Aufenthalts stellte der Ghana National History Day (GNHD) dar, den die University of Education Winneba seit einigen Jahren initiiert, um auf die Bedeutung des Faches Geschichte in der Öffentlichkeit Aufmerksam zu machen. Dabei wirkt die UEW über die Stadtgrenzen Winnebas hinaus auch in die umliegenden Städte der Central Region hinein. Dabei stehen insbesondere die Abschlussjahrgänge der Senior High Schools im Fokus.

Neben den feierlichen Zeremonien des diesjährigen GNHDs, bei welchen sowohl Geschichtsstudierende als auch Schülerinnen und Schüler einiger SHSs für besondere Leistungen im Fach Geschichte ausgezeichnet wurden, galt eine besondere Anerkennung Prof. Bea Lundt, die für ihre langjährige Kooperation der letzten 10 Jahre mit der UEW geehrt wurde. Hierfür überreicht ihr der HoD des Geschichtsdepartments, Eric Nketiah, ein hölzerner Sankofa, das Adinkra-Symbol für Geschichte.

Siehe zur Projektbeschreibung auch die homepage des Arbeitsbereichs Didaktik der Geschichte der Freien Universität Berlin unter: http://www.geschkult.fu-berlin.de/e/fmi/institut/arbeitsbereiche/ab_didaktik/Entangled-Colonial-Memories/index.html sowie Projekte und Events 2017 auf diesem blog.

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