Im Fach Geschichte

(Text: Bea Lundt/ Nina Paarmann, Layout: Nina Paarmann)

An der Europa-Universität Flensburg finden im Fach Geschichte Lehrveranstaltungen statt zu den Themen Kolonialismus, Afrikanische Geschichte, Rassismus, Weltkulturerbe, Menschenrechte, Globale Erinnerungsorte, Teaching Africa in Europe, Globales Lernen, Entwicklungspolitische Lernwerkstatt. (Weitere Informationen zur Lehre finden Sie unter dem Menüpunkt „Globales Lernen„.)

Der Sankofa (Symbol für Geschichte):

Der Sankofa ist ein in Westafrika weit verbreitetes Symbol. Eine Erklärung zur Symbolik des Sankofa ist nachzulesen in Wikipedia, aufgerufen am:  22.01.2014: Die Symbolik des Sankofa

Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2015:

 

Prof. Dr. Bea Lundt (in Kooperation mit Prof. Dr. Martin Krieger (CAU Kiel) und Nicole Gifhorn (Promotorin bei Eine Welt Schleswig-Holstein): Koloniale Erinnerungskulturen lokal-global

BA-Modul 6.2: Geschichte und Erinnerung
Pr.Nr.: 110062000
Donnerstags, 12-14 Uhr

Im Jahre 2016/17 steht uns im Norden Deutschlands/an der Grenze Dänemarks ein Jubiläum bevor: 100 Jahre ist es her, dass die dänischen Kolonien der westindischen Inseln an die USA ,,verkauft“ wurden. In diesem Kontext arbeitet eine deutsch-dänische Projektgruppe aus verschiedenen Kulturbereichen schon seit einem Jahr daran, dieses Ereignis vorzubereiten. Denn es gilt, in unserer Region den folgenden Zusammenhang bewusster zu machen: In Westafrika wurden von den Kolonialmächten in Kooperation mit indigenen Autoritäten („Chiefs“), Einwohner gewaltsam zusammengetrieben und als Sklaven nach Übersee verschifft. Daher sind die Sklavenburgen an der westafrikanischen Küste, vor allem in Ghana, ein wichtiges Weltkulturerbe. Die Fahrten übers Meer waren gefährlich, ja mörderisch und die überlebenden Afrikaner und Afrikanerinnen wurden auf die westindischen Inseln verbracht, wo sie auf Zuckerrohrplantagen arbeiten mussten. Das Produkt dieser Arbeit wurde nach Europa verkauft, vor allem nach Flensburg. Dort wurde mit dem Zucker der Rum hergestellt, der die Region reich machte. Ein „Dreieckshandel“ mit großer historischer Bedeutung: Ghana -Westindische Inseln – Flensburg!

Das Projektseminar wird in Kooperation mit dem Historiker Prof. Martin Krieger von der CAU Kiel sowie Nicole Gifhorn (Promotorin für Globales Lernen beim Bündnis Eine Welt Schleswig-Holstein (BEI)) stattfinden. Jeweils 12 Studierende der beiden Unis sollen Erinnerungsorte der kolonialen Vergangenheit der Region identifizieren, Recherchen über sie anstellen und die Ergebnisse auf Postern gestalten. Diese sollen in Flensburg ausgestellt werden und das Jubiläumsjahr 2016 eröffnen. Das Projektseminar schließt eine gemeinsame Exkursion von drei Tagen (2.-4.Juni) nach artefact (Glücksburg) ein. Dort werden Grundlagen des Globalen Lernens am Beispiel der Arbeit von artefact sowie dem Schifffahrtsmuseum Flensburg vermittelt werden. Eine eintägige Fahrt nach Kopenhagen wird uns in das Museum führen, das vor allem der kolonialen Vergangenheit gewidmet ist.

 

Prof. Dr. Bea Lundt: Globales Lernen in der Grunschule

MA-Modul GS: Lernbereich Globales Lernen
Pr.-Nr. 357512000
Fr., 10 – 12 Uhr
 
Das Seminar ist für den neuen Studiengang Master für Grundschullehrer und -lehrerinnen gedacht, kann aber auch von interessierten Studierenden aus anderen Bereichen/Fächern besucht werden. Wichtige Ansätze in der Pädagogik fordern gerade für die Arbeit an der Grundschule, es müsse von der unmittelbar für Kinder erfahrbaren Welt ausgegangen werden. Warum dann das Thema Globalität behandeln? Ist nicht die globale Welt weit entfernt für Schülerinnen und Schüler in einem Alter, in dem sie ganz damit beschäftigt sind, ihre eigene Lebenswelt und Umgebung zu erkunden? Sind die komplexen Zusammenhänge, die Wirtschaft und Politik der Kontinente verbinden, nicht zu abstrakt für das Grundschulalter?
 
Nach einer theoretischen Einführung, in der auch das Verhältnis des Konzeptes ,,Bildung für nachhaltige Entwicklung“ zum globalen Lernen untersucht werden soll, soll das Seminar der Frage nachgehen, wo und wie Kinder globale Phänomene in ihrem Alltag erfahren, wie sie sie wahrnehmen und wie man diese Aufmerksamkeit, die sie den Dingen schenken, für die unterrichtliche Behandlung nutzen kann. Dabei soll ein Tagesablauf eines Grundschulkindes in vier zentralen Stationen imaginiert werden: nach dem Aufstehen und beim Waschen, Anziehen und Frühstücken erfahren Kinder Wasser und Energie, Lebensmittel und Kleidung als selbstverständlich. Es sollen Wege verfolgt werden, wie man daraus Themen und Unterrichtsreihen gestalten kann, die die kulturelle Sensibilität und das Wissen um die Alteritäten in dieser Welt bei den Kindern fördern. Als Phase 2 wird der Schulweg daraufhin überprüft, welche Merkmale der gesellschaftlichen Globalität ein Kind bei seinem täglichen Gang zum Unterricht erfährt: es sieht Moscheen und Kirchen, Wohnviertel von Arm und Reich, ,,fremd“ aussehende Menschen, Pflanzen und Tiere. Der 3. Teil gilt Hobby und Freizeit und schließlich folgt als vierter Part der Fernsehabend mit seinen vielfältigen medialen Angeboten, die Kindern zugänglich sind. Auch Kinderbücher und Geschichten sollen unter dem Gesichtspunkt betrachtet werden, welche Kompetenzen in Bezug auf die Globalität der Welt durch sie vermittelt werden.
 
Projektorientiert soll zunächst die Ausgangssituation vorgestellt werden, sodann sollen Angebote für Unterrichtseinheiten entwickelt und bereits vorhandene kritisch geprüft werden. Wichtig ist eine konkrete Vernetzung mit Organisationen, Personen und Schulen, die globales Lernen in Schleswig-Holstein bereits praktizieren. Denn Globalität wird getan, nicht erlitten (Doing-Globality-Konzept).

 

Prof. Dr. Bea Lundt: Entwicklungspolitische Lernwerkstatt (auch als Vorbereitung für Auslandsaufenthalte in Afrika ausgewiesen)

MA-Modul 5: Interdisziplinäres Modul
Pr.-Nr: 350821000
Freitags, 8-10 Uhr

Diese Lehrveranstaltung dient der Vorbereitung der Studierenden, die in diesem Jahr 2015 nach Ghana fahren, außerdem ist sie offen für interessierte Studierende, die das interdisziplinäre Modul belegen wollen. „Im Jahr der Entwicklung der Europäischen Union“  2015 geht es vor allem auch um den Blick über Europa hinaus, also um das Verhältnis dieses Kontinents zu den Ländern des Globalen Südens, die von europäischen Ländern kolonisiert wurden. In dieser Lehrveranstaltung soll daher Studierenden aus verschiedenen Fächern die Gelegenheit gegeben werden, zu erkunden, was in ihrem jeweiligen Fachgebiet mit gesellschaftlicher Entwicklung im globalen Maßstab gemeint ist  und welchen Beitrag sie leisten können, um in diesem Diskurs „mitzureden“ und ggf. zu agieren. Es gilt daher, sich Wissen anzueignen über Geschichte, internationale Organisationen und Entwicklungsziele, über Geographie und Kultur Westafrikas, über das Erziehungs- und Bildungswesen in Ghana.

Doch sind auch Fragen nach dem Handeln wichtig, wie wir es bei unseren Auslandsaufenthalten etwa in Ghana realisieren. Was bedeutet es für einen Studierenden aus dem Globalen Norden, in den Globalen Süden zu reisen? Zugleich soll überlegt werden, wie Kompetenzen in Bezug auf ein globales Denken sowie interkulturelle Sensibilität im Unterricht vermittelt werden können.

Am Schluss steht die konkrete Vorbereitung von Unterrichtsprojekten, die die Studierenden in ghanaischen Schulen durchführen werden.

 

Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2014/15:


Prof. Dr. Bea Lundt: Globales Mittelalter

Modul 3,1: Kultur – Gesellschaft – Herrschaft I- Vormoderne
VV.-Nr.: 511033r, Pr.-Nr: 310031000
Freitags, 8-10 Uhr

Noch immer ist die Vorstellung verbreitet, während jener tausend Jahre von 500-1500, die wir „Mittelalter“ nennen habe es keine Mobilität gegeben. Die Menschen hätten in derselben dumpfen Kate, in der sie geboren wurden, ihr Leben verbracht, dumpf vor sich hinbrütend, analphabetisch, angstgeschüttelt, abergläubig, ohne Wissen über die ferne Welt jenseits der Wiesen und Weiden des eigenen Dorfes. Andere Kontinente seien erst in er Frühen Neuzeit durch die „Entdeckungsreisen“ es Christoph Columbus ins Gesichtsfeld geraten. Noch in Schulbuch und Unterricht begegnen diese Bilder.Die mediävistische Forschung der letzten 20 Jahre zeichnet dagegen eine ganz andere lebendige Welt. Migration war der Normalfall. Händler, Handwerker, Gelehrte, Priester, Gesandte reisten zwischen Europa, Asien und Afrika. Es gab einen Austausch der Güter und Gedanken. Die drei großen monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam begegneten einander keineswegs nur kriegerisch (Kreuzzüge), sondern auch durch kulturellen Transfer, etwa auf den Seidenstraßen, die Europa und Asien verbanden. Man pilgerte durch Europa: nach Jerusalem, Santiago de Compostela, und auch nach Mekka und Medina.

Nach einer Einführung in die „Globalgeschichte“ soll erarbeitet werden, ob un inwiefern der Begriff „Globalität“ für die vormoderne Zeit zutreffen ist.


Prof. Dr. Bea Lundt: Afrikanische Perspektiven auf Europa

Modul 5.3: Das Jahrhundert der Extreme – ausgewählte Einzelbeispiele (BAVM)
VV-Nr.: 511030r, Pr.-Nr.: 110053000
Freitags, 10-12 Uhr

Das „Jahrhundert er Extreme“ war auch ein Jahrhundert in dem Kolonialherrschaft Europas über andere Kontinente ausgeübt, kritisiert und beendet wurde. Gerade die postkolonialen Theoretiker, die oft genug aus anderen Kontinenten stammen, gehen davon aus, diese Phase
sei bis heute nicht eigentlich beendet. Herrschaft werde nur mit anderen Mitteln fortgesetzt, die eine Abhängigkeit der Länder des Globalen Südens von denen des Globalen Nordens bzw . des „Westens“ perpetuiere. Sie werfen uns eine eurozentristische Selbst- und Weltsicht vor, d.h., die Fixierung auf Europa als Zentrum des Weltgeschehens und mangelhafte Wahrnehmung der Positionen und Perspektiven anderer Kontinente. Ihre Traditionen ihre Wissensstrukturen ihr „local knowlede“ fließe nicht in die international dominante Wissensproduktion ein, die nach wie vor auf Europa zentriert sei. Am Beispiel Afrikas sollen zentrale Phasen der imperialen Geschichte des 20. Jahrhunderts bearbeitet und eine afrikanische Sicht auf diese Ereignisse diskutiert werden: Kolonialherrschaft, Kampf um die Unabhängigkeit, Dekolonisation, Zeit der Unabhängigkeit, Entwicklungshilfe und Entwicklungspolitik, Neuordnung der Internationalen Zusammenarbeit nach dem 2. Weltkrieg.

Es soll versucht werden, wenn möglich, die Werke afrikanischer Autoren und Autorinnen zugrunde zu legen.


Prof. Dr. Bea Lundt: Das UNESCO-Weltkulturerbe

MA-Modul 2: Public History (MA Edc.)
VV.-Nr: 511035r, Pr.-Nr.: 310820000
Donnerstags, 14-16 Uhr

„Public History“ fragt danach, ob und wie Geschichte in er Öffentlichkeit außerhalb des Schulunterrichtes wirksam wird. Meistens wird Public History mit dem Lernort Museum verbunden. In Zeiten zunehmender Globalisierung und weltgeschichtlicher Ausdehnung des Curriculums Geschichte stellt sich aber auch die Frage nach überregionalen Erinnerungsorten: die Sklavenburgen Afrikas, die Chinesische Mauer, Bauwerke der Inka – dies sind Zeugen der Vergangenheit, die für alle Menschen von Bedeutung sind. Im Zeitalter der neuen Medien (Fernsehen) und erst recht der digitalen Kommunikation sind sie auch leicht zugänglich. Ja, die Attraktivität solcher Stätten in anderen Ländern wird durch Fernreisen erschließbar. Damit ist zugleich ein Berufsfeld für Historiker und Historikerinnen angesprochen: selbst Unternehmer von Billigreisen erwarten inzwischen eine wissenschaftliche Prägung ihrer ReiseleiterInnen. Mit dem UNESCO-Weltkulturerbe sind zahlreiche Fragen und Probleme verbunden: Wer entscheidet darüber, was zum Weltkulturerbe gehört? Wie kann man Objekte schützen vor Kriegen und Verfall? Bevorzugt das Konzept nicht doch wieder das alte Europa mit seinen Baudenkmälern? Wie kann es den Ländern des Globalen Südens gerecht werden? Wie erschließen wir in Europa zusammen mit Schülerinnen und Schülern Objekte aus fremden Kulturen?

Spannend in diesem Zusammenhang ist die Etablierung eines ergänzenden Programmes für Weltnaturerbe bzw. eines weiteren für immaterielles Weltkulturerbe. Diese beiden stellen unsere Geschichtsvorstellungen und unseren Kulturbegriff in Frage. Das ist auch ihr Ziel.

In dem Seminar sollen nach einer theoretischen Einführung in die Thematik ausgewählte Beispiele für alle drei Programme vorgestellt und ihre Bedeutung für unser Geschichtsbewusstsein diskutiert werden.


Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2014:

 

Prof. Dr. Bea Lundt: Afrikanische Geschichte im globalen Kontext

Modul 4.2: Europäische Geschichte im globalen Zusammenhang – ausgewählte Einzelbeispiele (BAVM)
VV-Nr. 511011q, Pr.-Nr. 310062000, 110042000
Donnerstags 12-14 Uhr

Ihr Europäer stellt Euch noch immer in den Mittelpunkt des Weltgeschehens und Ihr seht alle Geschichte nur in eigener Perspektive“, so wirft man uns bei unseren Aufenthalten in Westafrika vor. Seit 2009 ist die Europa-Universität Flensburg verschiedenen Universitäten in Ghana durch Partnerschaftsverträge auch im Bereich der Lehramtsstudien verbunden und wir haben daher den Vorteil, direkt mit den Positionen unserer afrikanischen Kollegen und Kolleginnen konfrontiert zu werden und darauf reagieren zu müssen.

In der Tat ist es wichtig, die eurozentristische Sicht auf historisches Geschehen zu überwinden. Denn sie verdeckt realgeschichtliche Zusammenhänge über die Vielfalt dieser verflochtenen Welt („entangled history“ wird das im internationalen Diskurs genannt). Zudem wird sie der europäischen Verantwortung, ja  Schuld nicht gerecht. Die Themen Kolonialismus und Sklavenhandel kommen meist im Curriculum der Schulen zu kurz oder sie bleiben unkonkret. Dabei verdankt gerade die Stadt Flensburg ihre historische Stellung und ihren Reichtum der Sklavenarbeit: das zentrale Produkt Rum wurde aus dem Zuckerrohr hergestellt, das die aus Ghana auf die westindischen Inseln verschleppten Afrikaner dort produzierten. Allerdings gingen der Epoche des Kolonialhandels einige Jahrhunderte der Kooperation voran: die transsaharischen Kamelrouten verbanden Europa mit Afrika in Antike und Mittelalter. Als spirituelles Zentrum belegt die Stadt Timbuktu (im heutigen Mali) die Kooperation arabischer, europäischer und afrikanischer Intellektueller in vorkolonialer Zeit. Zahlreiche noch nicht erschlossene Schriftdokumente zeugen von der lebendigen Auseinandersetzung zwischen den drei Kontinenten. Wir müssen unsere Vorstellung vom oralen Afrika, das erst durch Europäer eine eigene Geschichte erwarb, revidieren!

Die Lehrveranstaltung wird daher zunächst eine Einführung in die aktuelle Diskussion um Globalgeschichte geben und das Anliegen der Post Colonial Studies vorstellen. Sodann wird die afrikanische Geschichte im Kontext und im Spiegel europäischer Historie beleuchtet werden. Ein Schwerpunkt soll dabei auf Westafrika liegen. Das zentrale Ergebnis des Seminars soll die Vermittlung eines Überblickswissens über die Beziehungen zwischen den Kontinenten sein, wobei interkulturelle Kompetenzen und Kultursensibilität gegenüber dem anderen Kontinent gestärkt werden sollen.

 

 

Prof. Dr. Bea Lundt: Teaching Africa in Europe: Cooperation with Economics/ Sociology and History

Interdisziplinäres Modul (M.Ed Lehramt an Gemeinschaftsschulen)
VV-Nr.511028q, Pr.-Nr. 350811000, 350821000
Freitags, 08-10 Uhr

Wie erschließe ich mir (und meinen Schülerinnen und Schülern) Wissen und Verständnis über einen Kontinent, in dem ich nicht selber lebe? Meist wird diese Aufgabe dem Fach Geographie überlassen, manchmal auch einem integrierten Fach Sozialkunde. Hier nun soll im interdisziplinären Zugriff zunächst die kulturwissenschaftlich-historische Seite im Mittelpunkt stehen. Als Beispiel soll Afrika dienen, jener für Europäer und Europäerinnen ferne, dunkle Kontinent, über den meist nur in den Medien berichtet wird, wenn es um Katastrophen und Nothilfe geht. Entsprechend negativ verzerrt und einseitig ist unser Bild von Afrika. Es gilt daher, sich ein neues Verständnis von Geschichte und Kultur zu erarbeiten, das der Vielfalt besser gerecht wird.

Seit 2010 fahre ich in jedem Jahr mit ca. 12-20 Studierenden der Europa-Universität Flensburg in das westafrikanische Land Ghana. Ich nehme sie mit in meine Forschungsprojekte dort, und sie absolvieren ihr Schulpraktikum oder ein außerschulisches Praktikum dort, recherchieren für Bachelor- oder Masterarbeiten oder verbringen dort ein Auslandssemester an einer unserer Partnerschulen.

Die Lehrveranstaltung dient der Vorbereitung der 21 Studierenden, die 2014 nach Westafrika reisen werden. Sie nimmt aber auch andere Studierende mit auf eine Reise, eine fiktive Reise in einen Kontinent, der sich von Europa unterscheidet, aber auch auf vielfache Weise eng mit Europa verbunden ist. Es sollen die Unterschiede und Gemeinsamkeiten herausgearbeitet werden.

Natürlich ist unser Bild immer standortgebunden und spiegelt Merkmale unserer fachlichen Perspektive sowie anderer Voraussetzungen, die uns prägen. Diese Standortgebundenheit unserer Wahrnehmung soll mitreflektiert werden.

Das Seminar ist daher als interdisziplinäre Veranstaltung in Kooperation von zwei Fachvertretern konzipiert. Während der eine Teil von mir als Europäerin in deutscher Sprache gestaltet wird, wird Herr Prof. Dr. Yaw Ofosu-Kusi, Gastprofessor aus Ghana an der Uni Flensburg 2013 und 2014, einen zweiten Teil in englischer Sprache abhalten. Herr Ofosu-Kusi ist Ökonom und Soziologe, er hat  Forschungen über Kindheiten in Westafrika angestellt, insbesondere in Slums. Er stellt Afrika als seinen Herkunftskontinent vor.

 

 

 

Prof. Dr. Bea Lundt: Globales Lernen in der Grundschule

Lernbereich Globales Lernen (M.Ed. Lehramt an Grundschulen)
Seminar VV-Nr. 511029q, Pr. Nr. 357512000
Fr., 10-12 Uhr

Das Seminar ist für den neuen Studiengang Master für Grundschullehrer und -lehrerinnen gedacht, kann aber auch von interessierten Studierenden aus anderen Bereichen/Fächern besucht werden.

Wichtige Ansätze in der Pädagogik fordern gerade für die Arbeit an der Grundschule, es müsse von der unmittelbar für Kinder erfahrbaren Welt ausgegangen werden. Warum dann das Thema Globalität behandeln? Ist nicht die globale Welt weit entfernt für Schülerinnen und Schüler in einem Alter, in dem sie ganz damit beschäftigt sind, ihre eigene Lebenswelt und Umgebung zu erkunden? Sind die komplexen Zusammenhänge, die Wirtschaft und Politik der Kontinente verbinden, nicht zu abstrakt für das Grundschulalter?

Nach einer theoretischen Einführung, in der auch das Verhältnis des Konzeptes „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ zum globalen Lernen untersucht werden soll, soll das Seminar der Frage nachgehen, wo und wie Kinder globale Phänomene in ihrem Alltag erfahren, wie sie sie wahrnehmen und wie man diese Aufmerksamkeit, die sie den Dingen schenken, für die unterrichtliche Behandlung nutzen kann. Dabei soll ein Tagesablauf eines Grundschulkindes in vier zentralen Stationen imaginiert werden: nach dem Aufstehen und beim Waschen, Anziehen und Frühstücken erfahren Kinder Wasser und Energie, Lebensmittel und Kleidung als selbstverständlich. Es sollen Wege verfolgt werden, wie man daraus Themen und Unterrichtsreihen gestalten kann, die die kulturelle Sensibilität und das Wissen um die Alterität dieser Welt bei den Kindern fördern. Als Phase 2 wird der Schulweg daraufhin überprüft, welche Merkmale der gesellschaftlichen Globalität ein Kind bei seinem täglichen Gang zum Unterricht erfährt: es sieht Moscheen und Kirchen, Wohnviertel von Arm und Reich, fremd aussehende Menschen, Pflanzen und Tiere. Der 3. Teil gilt Hobby und Freizeit und schließlich folgt als vierter Part der Fernsehabend mit seinen vielfältigen medialen Angeboten, die Kindern zugänglich sind. Auch Kinderbücher und Geschichten sollen unter dem Gesichtspunkt betrachtet werden, welche Kompetenzen in Bezug auf die Globalität der Welt durch sie vermittelt werden.

Projektorientiert soll zunächst die Ausgangssituation vorgestellt werden, sodann sollen Angebote  für Unterrichtseinheiten entwickelt und bereits vorhandene kritisch geprüft werden. Wichtig ist eine konkrete Vernetzung mit Organisationen, Personen und Schulen, die globales Lernen in Schleswig-Holstein bereits praktizieren. Denn Globalität wird getan, nicht erlitten (Doing-Globality-Konzept).

(alle Angaben zu den Lehrveranstaltungen von Prof. Bea Lundt im SoSe 2014 sind nachzulesen im Kommentierten Vorlesungsverzeichnis des Seminars für Geschichte der Europa-Universität Flensburg, zusammengestellt für die Fachschaft von Nina Paarmann, 15.03.2014. Nachzulesen unter: http://www.uni-flensburg.de/geschichte/aktuelles/)

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