Aktuelles 2020

Überblick über 2020

Auch im Jahr 2020 werde ich mich als Gastprofessorin im Fach Geschichte (DAAD) an der University of Education Winneba (UEW) aufhalten, zunächst bis Anfang Juni und voraussichtlich dann auch während des folgenden Akademischen Jahres 2020/2021. Begleitet werde ich von meiner Doktorandin Nina Paarmann, die über Frauenbewegungen seit der Unabhängigkeit in Ghana recherchiert.

 

Die University of Education Winneba

Die UEW ist mit jetzt 85.000 Studierenden die größte lehramtsausbildende Hochschule in Afrika südlich der Sahara. Die ungeheure Expansion der Universität ist auch zu erklären dadurch, dass die Regierung Ghanas den Besuch der letzten drei Klassen der Senior Secondary School (Klasse 10-12), der zu einem zum Studium berechtigenden Abschluss führt (vergleichbar der  „Gymnasialen Oberstufe“), unentgeltlich gemacht hat. Als ich im Jahre 2009 zum ersten Mal, zusammen mit vier Kollegen der EUF, eine fact-Finding-Mission (DAAD) an diese Hochschule durchführte, hatte sie 5.000 Studierende.

Zahlreiche neue Gebäude entstehen, vor allem auf dem Nord-Campus, einem von drei Standorten der Universität in Winneba. Auch externe Standorte werden ausgebaut, wie der in Ajumako, anderthalb Autostunden westlich von Winneba entfernt, an dem vor allem Fremdsprachen unterrichtet werden.

Die Deutsch-Kurse, die seit dem Impuls der Gruppe aus Flensburg 2009 dort vom DAAD durchgeführt werden, haben sich inzwischen zu einer eigenen „German Unit“ entwickelt, an der auch afrikanische Germanisten und Germanistinnen unterrichten. Über eine Instituts-Partnerschaft mit der Universität Bayreuth ist die UEW mit den Deutsch-Instituten der Universitäten Lomé (Togo) und Abomey-Calavi (Benin) verbunden (DAAD). Im März 2020 findet eine gemeinsame Tagung von Lehrenden aus den vier Ländern in Benin statt. Die UEW ist damit die erste und einzige Universität in Ghana, an der Deutsch studiert werden kann.

 

Internationale Gender-Tagung in Winneba Mai 2020

Im Mittelpunkt meiner Aktivitäten hier stehen 2020 wieder Gender Studies.

Vom 25.-27. Mai 2020 wird es an der UEW eine Internationale Konferenz geben zum Thema „Gender in Transcultural Perspectives Africa-Europe“. Auf unseren Call-for-Papers haben ca. 65 Personen reagiert, indem sie 62 abstracts für Präsentationen eingereicht haben. Sie stammen aus einer ganzen Reihe afrikanischer Länder, aber auch aus den europäischen Ländern Deutschland, Spanien und Großbritannien.

Buchpräsentation

Im Rahmen der Tagung wird auch der folgende Band präsentiert werden, der im Februar gerade in Druck gegangen ist:

Henry Kam Kah/Bea Lundt (Hg.): Polygamous Ways of Life Past and Present in Africa and Europe. Polygame Lebensweisen in Vergangenheit und  Gegenwart in Afrika und Europa. Er enthält 18. Beiträge aus Europa und Afrika und umfasst 375 Seiten. In diesem Buch werden u.a. auch Befragungen unter Hochschullehrenden und Studierenden der UEW über ihre Erfahrungen mit Polygamie vorgestellt und ausgewertet. Es wird das achte Buch sein, das aus meiner Kooperation mit afrikanischen Ländern hervorgegangen ist.

 

Kooperationsprojekte der Europa-Universität Flensburg mit Winneba

Auch die Europa-Universität Flensburg (EUF), an der ich bis Ende 2015 als Professorin für Geschichte tätig war, ist wieder mit verschiedenen Projekten vor Ort:

Ilona Westphal, MA, Hochschullehrerin  an der EUF und ehemalige Praktikantin in Ghana, organisierte und leitete zum 5. Mal eine Gruppe Studierender aus dem Fachbereich Sonderpädagogik, die ein Praktikum an der Schule  ‚Father John Special Unit’ absolvierten. Die sechs Studierenden arbeiteten mit großer Begeisterung und viel Erfolg und stellten Ergebnisse dieser Arbeit vor am Presentation Day 20th February 2020.

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Zu dem umfangreichen Programm gehörten auch Ansprachen der Leiterin der regionalen Bildungsbehörde (the Municipal Education Director) sowie Seth Tompoli, in  Vertretung für Prof. Yaw Sekyi-Baidoo, den Leiter des International Office der Universität Winneba. Auch ich hielt eine kurze Rede und konnte stolz darauf hinweisen, dass die Kooperation der EUF mit der UEW, in dessen Rahmen dieses Praktikum stattfand, seit 2009 besteht, also seit 11 Jahren.

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Prof. Dr. Bea Lundt bei der Präsentation der Arbeiten, die die Kinder zusammen mit den Studierenden vorbereitet haben.

Henning Evers von der EUF, auch er ein ehemaliger Praktikant in Ghana, ist inzwischen Doktorand und recherchierte in Winneba und Accra über die Ende 2020 bevorstehenden Wahlen in Ghana. Als Pretest für weitere Aktionen verteilte er einen Fragebogen in einem Seminar des Faches Geschichte der UEW, den Dr. Sylvester Gundona freundlicherweise zur Verfügung stellte.

Drei Studierende der Uni Winneba sind zu einem viermonatigen Gastsemester im Sommer 2020 an die Europa-Universität Flensburg eingeladen. Ihre Auswahl fand auf mehreren Ebenen statt. Bei einer Info-Veranstaltung informierten die Flensburger Studierende Carina Rau und ich die Ausgewählten über die Lebensbedingungen in Flensburg. Von den vier zunächst ausgesuchten Studierenden reisen leider nur drei im März nach Deutschland.

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Prof. Dr. Bea Lundt und Carina Rau im Gespräch mit den drei Studierenden der UEW, die im März 2020 für sechs Monate an die Europa-Universität Flensburg reisen.

Kooperationsprojekt mit der Kunstakademie München sowie LMU München

Im Rahmen des Kooperationsprojektes mit der Kunstakademie München sowie der LMU München „Exploring Visual Cultures“ (2019-2021, finanziert von engagement global), in das acht Hochschullehrerende der UEW aus den Fächern Kunsterziehung und Geschichte involviert sind, wird eine weitere Tagung im April 2020 in Nairobi (Kenia) stattfinden. Die Ausgangskooperation mit Ghana wurde inzwischen erweitert um weitere afrikanische Länder.

 

Panel über afrikanische Narrationen auf der ISFNR-Tagung in Zagreb

Die „International Society for Folk Narrative Research“ (ISFNR) führt alle zwei Jahre eine Internationale Tagung durch. Seit der Tagung im Goethe-Institut Accra im Brüder-Grimm-Gedenkjahr über Narrationen in Westafrika bemühe ich mich, Kollegen und Kolleginnen aus Benin, Togo und Ghana zu einer Teilnahme an diesem Event zu gewinnen, um die Forschungen über die sehr vitalen Erzähltraditionen vorzustellen und zu diskutieren. Für die Tagung 21.- 26. Juni 2020 in Zagreb ist es nun endlich gelungen, ein Panel zusammenzustellen. Nina Paarmann und ich werden dort zusammen mit zwei Kollegen von der University of Ghana Legon bei Accra referieren.Unser Angebot wurde von dem Veranstaltungskomittee angenommen:ANANSE AND BEYOND: THE WORLD OF WEST AFRICAN FOLKTALES

 

The International Society for Folk Narrative Research

The International Society for Folk Narrative Research is a scholarly and professional organization of international specialists in the areas of folk narrative, popular literature, folklore, and related fields. According to its statutes, the Society’s main goal is „to develop scholarly work in the field of folk narrative research and to stimulate contacts and the exchange of views among its members.“ Acknowledging developments in the field, this goal has broadened in recent years covering all aspects of narrative as representing the pivotal category of human communication.

 

Zu Hause an der Europa Universität Flensburg

In der Sommerpause der Uni Winneba werden wir uns in Deutschland aufhalten und dort an der Europa-Universität Flensburg verschiedene Aktivitäten durchführen. So führen wir gemeinsam Im Juni 2020 in Blockveranstaltungen ein Seminar zum Thema „Über Diversität von Geschlecht am Beispiel Afrkas“  an der Europa Universität Flensburg (EUF) durchführen (Frühjahrssemester 2020).  Zudem werden wir am „Zentrum für Wissenschaftliche Weiterbildung“ der Uni Flensburg einen Vortrag halten sowie einen workshop durchführen zum Thema: „Zurück aus Ghana. Aspekte von Geschichte, Bildungssystemen und Gender in Westafrika“. Ein weiterer Vortrag wird im Rahmen des Begleitprogrammes der „Theaterwerkstatt  Pilkentafel“ in Flensburg stattfinden.

„Krise Corona-Virus“

Durch die weltweite Krise aufgrund des Corona-Virus  wurden unsere für dieses Jahr geplanten Projekte in Winneba unterbrochen: In der 12. Woche wurden die Studierenden und Hochschullehrer aus den anderen mit der University of Education Winneba (UEW) kooperierenden europäischen Ländern in ihre Heimathochschulen in Norwegen und Finnland zurückberufen, nur den Dänen war es von ihren Universitäten freigestellt worden, und sie blieben auf eigene Entscheidung in Ghana. Auch der DAAD wandte sich mit einem Rundbrief an alle Stipendiaten und Gastdozenten, selber zu beurteilen, ob sie in ihren Projekten verbleiben oder nach Deutschland zurückkehren wollten. Nina Paarmann und ich entschieden uns zunächst, in Ghana zu bleiben. Denn es sah so aus, als sei Ghana nicht betroffen- wir fühlten uns dort sicher. Da wir gerade eine Verlängerung unserer Aufenthaltserlaubnis brauchten, reichten wir einen entsprechenden Antrag und unsere Pässe beim Immigration Office in Winneba ein.

Wir verbrachten das Wochenende wie geplant zu unserer Entspannung in einer schönen Unterkunft mit runden Hütten, die in der Mitte zwischen Cape Coast und Elmina am Meer liegt. Der Blick über eine Bucht auf Elmina Castle ist überwältigend. Bei einer Fahrt nach Cape Coast stellten wir fest, dass der bookshop im Castle geschlossen war, auch das Castle selbst sollte dicht gemacht werden. Wir wurden langsam nervös.

Fotos aus Elmina/ Cape Coast

Die Lage hatte sich  innerhalb weniger Tage zugespitzt und verschärft. Am 16. März wurden die Schulen und Hochschulen in Ghana geschlossen, schon am nächsten Tag kamen Busse, die die Studierenden in ihre Heimatstädte zurückbrachten. Auch die Grenzen wurden dichtgemacht, es konnten keine Flüge mehr stattfinden. Die Universität in Winneba entschied sich in den folgenden Tagen, wie auch die anderen Hochschulen in Ghana, die im laufenden Sommersemester begonnenen Kurse per moodle online fortzusetzen. Wir waren ein wenig unsicher und stellten uns ein auf eine Phase im home-office und mit einer Betreuung der Studierenden online. Wir waren die einzigen in unserer Unterkunft.

Überrschend bot die deutsche Botschaft in Accra in der kommenden Woche einen Rückholflug nach Deutschland an. Eher pro forma meldeten wir uns dafür an; noch am Nachmittag vor dem Abflug fehlte die endgültige Bestätigung. Zudem durften wir jede nur einen Koffer mitnehmen. Wir liessen einen zweiten sowie viele Küchengeräte und andere Utensilien unseres Haushaltes zurück. Bücher brachte ich in mein Office in der Universität. Der Tag vor dem Abflug war abenteuerlich, denn es galt nicht nur ins Ungewisse hinein zu packen und zu planen, sondern auch, unsere  Pässe zurückzubekommen. Zum Glück klappte es; im Immigration Office war man gut informiert, sehr freundlich und hilfsbereit. Die ganze Belegschaft wartete mit uns am Abend bei strömendem Regen auf den Kurier aus Cape Coast, der die Pässe mitbrachte.

Am nächsten Tag, dem 25. März, brachte ein Flieger uns und 268 andere Deutsche, ihre ghanaischen Angehörigen sowie andere Europäer nach Frankfurt.

Vielen Dank an die Deutsche Botschaft Accra für ihre aktuellen Informationen in Rundbriefen, ihre engagierte Organisation des Sonderfluges und die Hilfen am (eigentlich geschlossenen) Airport!

Rückholaktion der Bundesregierung aus Accra, Fotos der Deutschen Botschaft Accra

Es tat sehr weh, unsere Freunde und Kollegen zurückzulassen, unsere Projekte abzubrechen und in eine ungewisse Zukunft zu starten. Wir hoffen, so bald als möglich wieder nach Ghana zurückkehren zu können.

Was wird aus den Terminen: Die Tagung an der UEW „Gender in Transcultural Perspectives Africa-Europe“ haben wir auf den Herbst 2020 verschoben, unser Panel auf der ISFNR-Tagung in Zagreb wird erst in einem Jahr stattfinden. Andere Projekte wie der in Vorbereitung befindliche Sammelband zur Geschichte der Bildung in Ghana können aber per e-mail fortgesetzt werden. Der Polygamie-Band befindet sich im Druck, doch verzögert sich auch die Drucklegung durch die gespannte Arbeitslage.

Unsere Sorge gilt unseren Kollegen und Freunden in Ghana! Und wir wünschen uns allen eine gute Gesundheit und ein baldiges Wiedersehen!“

Lehrauftrag Europa-Universität Flensburg

Der Lehrauftrag „Über die Diversität von Gender in Afrika“, der in Blockveranstaltungen ab Anfang Juni 2020 in Flensburg stattfinden sollte, wird von uns ebenfalls online durchgeführt.