Seminar für Germanistik (2011 – 2014)

Alice Petersen-Herrmann
(abgeordnete Lehrkraft, Seminar für Germanistik)
Seit Oktober 2010 bin ich als abgeordnete Lehrkraft an der Europa-Universität Flensburg im Seminar für Germanistik innerhalb des Instituts für Sprache, Literatur und Medien tätig.

Da ich auf eine 12jährige Praxiserfahrung an verschiedenen Grundschulen – insbesondere in den Klassenstufen 1 und 2 – zurückgreifen kann, bildet die Didaktik des Schriftspracherwerbs, also die Vermittlung der  Theorien, Konzeptionen und Methoden zum Anfangsunterricht Lesen und Schreiben, den Schwerpunkt meiner Lehre.   Aber auch Veranstaltungen zum  frühkindlichen Spracherwerb und zur Entstehung von Sprachbewusstheit  sowie die Behandlung von Zwei- und Mehrsprachigkeit in Theorie und Praxis in Kursen wie Bilingualismus und Mehrsprachigkeit  sind Teil meiner bisherigen Arbeit an der Universität. Daneben werde ich regelmäßig aufgrund meiner schulischen Praxis zur Betreuung Studierender während ihrer Schulpraktika und für deren Nachbereitung herangezogen.

Mein Studium mit dem Ziel „Erstes Staatsexamen für das Grund-und Hauptschullehramt“ absolvierte ich zwischen 1991 und 1996  an der Pädagogischen Hochschule in Flensburg in den Fächern Deutsch, DaF/DaZ und Musik.  Von August 1992 bis Mai 1993 nutzte ich das Angebot der PH, als sog. „Assistant Teacher“ nach Buckie/Schottland zu gehen, um dort an der Junior Highschool zu unterrichten. Während meines dortigen Aufenthalts  unterrichtete ich zudem Deutsch als Fremdsprache für erwachsene Lerner an einer Abendschule. Im Jahr 1994 nahm ich im Zuge des DaF/DaZ- Studiums an einem 1-monatigen Praktikum in Gdansk/Polen teil, in dessen Verlauf wir u.a. das College für die Deutschlehrerausbildung kennenlernten und dort eine Lehrveranstaltung für die angehenden Deutschlehrer abhielten.

Im September 2012 erhielt ich an der Europa-Universität Flensburg zum ersten Mal die Gelegenheit, für vier Wochen eine  Gruppe Studierender während ihres Schulpraktikums in Wurupong/Ghana zu begleiten und zu betreuen. Dieses Praktikum fand in Kooperation mit der  „University of Education“ in Winneba statt unter der Federführung der Flensburger Geschichtsprofessorin Frau Dr. Bea Lundt, die sich sehr dafür engagiert, Dozierenden jeder Disziplin der Europa-Universität Flensburg die Chance zu eröffnen, an diesem wunderbaren Projekt  partizipieren zu können. Vor Ort wurden wir herzlich aufgenommen, betreut und begleitet durch Ingrid und Kwadjoe Fordjor, durch deren Kontakt zu Frau Lundt der Aufenthalt in dem Ort Wurupong erst möglich gemacht wurde und die sich sehr stark für die Schulentwicklung in diesem kleinen Städtchen in der Nähe des Volta-Sees einsetzen.

Da ich im darauffolgenden Jahr 2013 erneut die Betreuung einer Studierendengruppe in Wurupong für weitere 3 Wochen übernehmen durfte, konnte in Zusammenarbeit mit den Dozenten der nahegelegenen Lehrerausbildungsstätte in Jasikan und den Lehrerkolleginnen und –kollegen vor Ort durch die Initiative und Organisation Ingrid und Kwadjoe Fordjors eine konstruktive und partnerschaftliche Zusammenarbeit ihren Anfang nehmen, welche bereits im Vorjahr in Gesprächen angebahnt wurde.  So sollte neben den hauptsächlichen Aktivitäten innerhalb des Schulpraktikums und meinen Hospitationen auch meine Expertise im Bereich des Schriftspracherwerbs vermehrt für den Austausch unter Dozenten und Lehrerkolleginnen und Kollegen eine Rolle spielen.

Durch Ingrid Fordjor organisiert kamen Dozenten der  Ausbildungsstätte Jasikan nach Wurupong, um in unserer Lodge vor den Studierenden und Lehrerinnen und Lehrern der drei (resp. sechs) Schulen zum einen über die Problematik der Alphabetisierung in einer Zweit- bzw. Drittsprache zu lehren sowie darüber hinaus mit den KollegInnen an den Schulen über die konkreten Schwierigkeiten vor Ort in einen Austausch zu treten und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Diesen Workshop und die Miniworkshops, welche mit den LehrerInnen vor Ort, unseren Studierenden und mir als z.T. leitende Person folgten, sind ein deutliches Indiz für nachhaltige Zusammenarbeit, orientiert an Selbstwirksamkeitsprinzipien und gekennzeichnet durch (interkulturellen) fachlichen Austausch und gegenseitige Wertschätzung .

Für Sept./Okt. 2014 ist geplant, dass ich ein weiteres und vermutlich letztes Mal mit sechs Studierenden für diesmal 6 Wochen nach Wurupong reisen werde, um das Schulpraktikum – welches in diesem Jahr unter dem Motto „Reading is Fun“ – stattfinden wird, zu begleiten. Die m.E. äußerst sinnvollen und fachlich wie pädagogisch-interkulturell ausgerichteten Hospitationsgespräche, die den Studierenden Anstöße für Ihre weitere Lehrtätigkeit geben sollen, werden natürlich nach wie vor einen Schwerpunkt meiner dortigen Arbeit ausmachen. In diesem Jahr werde ich zum ersten Mal die Chance haben, am alljährlich durchgeführten „Speech and Prize Giving Day“ oder auch „Presentation Day“ teilzunehmen. Dieser Tag stellt für die Studierenden und die Menschen des Ortes Wurupong einen wichtigen Abschluss der Schulpraktika dar – hier werden im Gemeindezentrum des Städtchens die Projektergebnisse aus den einzelnen Schulen allen Einwohnern präsentiert. Repräsentative Personen wie z.B. der Chief (Häuptling) und dessen Gefolge sowie Vertreter sämtlicher kirchlicher Einrichtungen dürfen an so einem Tag natürlich nicht fehlen.  Dieses  Event macht noch einmal durch die Akzeptanz seitens der Würdenträger und das immense Interesse und die enorme Anteilnahme durch die Bewohner Wurupongs deutlich,  welch großen Stellenwert das Schulpraktikum, das in diesem Jahr sein 5jähriges Jubiläum feiern wird, in dem kleinen Ort einnimmt.

„Reading is fun“ – dieses Motto schließt sich nahtlos an die Aktivitäten der Vorjahre an: Das Schulpraktikum soll nicht nur für die Studierenden durch die Ausweitung ihrer diagnostischen Fähigkeiten (in den Schulen sollen diagnostische Erhebungen im Bereich der (Recht-) Schreibkompetenzen der SuS durchgeführt werden) von Nutzen sein, auch sollen sie innerhalb ihrer Praktika erproben, welche Konzepte, Methoden und Verfahren sich aus der Deutschdidaktik zur Lese- und Schreibförderung im englischen Kontext eignen und welche diesbezüglich aufgrund anderer schriftsprachlicher Gegebenheiten im Englischen überarbeitet bzw. angepasst werden müssen. Dieses ist thematisch bereits in einem Begleitseminar in diesem Sommersemester intensiv in Theorie und Praxis angebahnt worden, so dass die Studierenden für ihre Aufgabe in den Schulen bereits jetzt über wichtiges didaktisches und pädagogisches Rüstzeug verfügen. –  Die Konsequenz, die Studierenden gezielt auf die pädagogischen sowie fachdidaktischen Herausforderungen in einem eigens dafür konzipierten Begleitseminar vorzubereiten, ergab sich aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre und ist ein weiteres Zeichen dafür, wie Kontinuitätin der Durchführung eines derartigen Projekts zu Weiterentwicklung und Nachhaltigkeit führen kann.

Neben den o.g. Aktivitäten soll in diesem Jahr mind. ein weiterer Workshop mit der Lehrerausbildungsstätte Jasikan folgen, in dessen Anschluss, Studierende und LehrerInnen aus Wurupong Unterrichtsmaterialien erstellen werden und über sinnvolle Methoden für den Anfangsunterricht in den Austausch treten werden.    Darüber hinaus werde ich nach der diagnostischen Erhebung in den Primary schools des Ortes, diejenigen Kinder zu einer Lerngruppe aus den einzelnen Schulen zusammenführen, welche noch keine oder nur sehr rudimentäre Strategien zum Schriftspracherwerb entwickelt haben. In Zusammenarbeit mit Ingrid Fordjor und unter freiwilliger Unterstützung einzelner Studierender werde ich den Versuch unternehmen, bei diesen Schülern und Schülerinnen während meines sechswöchigen Aufenthaltes ein erstes Verständnis von Literalität anzubahnen und ihnen durch gezielte Übungen und Verfahren Strategien zum Erschreiben und Erlesen von Wörtern zu vermitteln.

In weiteren kleinen Workshops bzw. Gesprächsrunden mit den Lehrerinnen und  Lehrern vor Ort sollen diese Methoden und Verfahren diskutiert und in Folge auf ihre Wirksamkeit betrachtet werden. So soll das Lernen von- und miteinander auch in diesem Jahr eine entscheidende Rolle spielen und verleiht den Schulpraktika in Wurupong seinen außergewöhnlichen Charakter bezogen auf forschendes Lehren und Lernen im interkulturellen Kontext.
(Alice Petersen-Herrmann)

 

Inga Eckardt

(Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Seminar für DaF/DaZ)

 

 

Seit November 2013 bin ich wissenschaftliche Mitarbeiterin am Seminar für DaF/ DaZ an der Europa-Universität Flensburg. In diesem Jahr fahre ich zum ersten Mal mit nach Ghana, um dort diejenigen Praktikantinnen zu betreuen, die den Schwerpunkt Deutsch als Fremdsprache studieren und an der Universität in Winneba sowie an zwei PASCH-Schulen in Accra Teile ihres Praktikums absolvieren möchten. Außerdem besuche ich die Deutsch-Institute der Unis in Lomé (Togo) und Cotonou (Benin) um Kooperationsmöglichkeiten für den wissenschaftlichen Austausch auszuloten.

Ich habe von 2003 bis 2012 an der Universität in Hamburg Afrikanistik, Sprachlehrforschung und politische Wissenschaft studiert. Den Entschluss, Afrikanistik zu studieren, fasste ich nach meiner ersten längeren Reise nach Südafrika und Namibia im Jahre 2003. Während meines Studiums bin ich so oft wie möglich nach Afrika gefahren, sodass ich im Laufe der Jahre viele verschiedene Länder besuchen konnte, u.a. Tansania, Mosambik und Nigeria. So war ich z.B. mit einem DAAD-Stipendium für zwei Monate in einer nordnigerianischen Familie um mein Hausa zu vertiefen.

Meine Schwerpunkte lagen immer im Bereich der Sprachwissenschaften. Ich habe Hausa und Swahili viele Semester lang studiert und zudem die verschiedenen Teilbereiche der Linguistik gelernt, immer mit dem besonderen Schwerpunkt auf dem Studium afrikanischer Sprachen und afrikanischer Literatur. Meine Magisterarbeit schrieb ich über Hausa-Sprichwörter. Mein erstes Nebenfach war die Sprachlehrforschung, ein Studiengang, der sich explizit mit dem Erforschen des (Fremd‑)Sprachenerwerbs befasst und versucht, eine Brücke zwischen der Linguistik und der angewandten Sprachwissenschaft zu schlagen. Neben der Lehre und dem Engagement in Westafrika plane ich zurzeit ein Forschungsvorhaben zwecks Promotion. In diesem Rahmen werde ich in den folgenden Jahren die sprachliche Entwicklung von Schülern mit Deutsch als Zweitsprache in norddeutschen Schulen erforschen.
(Inga Eckardt)

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