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Dr. Sinseignon Germain Sagbo

(Text: Bea Lundt, Layout: Nina Paarmann)

Seit 2012 bestehen bereits gute Forschungskontakte mit dem Germanisten Dr. Sinseingnon Germain Sagbo, der in Zürich und Göttingen studierte und dort 2011 promoviert wurde. Für seine Dissertation “Tradition und Entwicklungsprozesse in Benin”, erschienen in Frankfurt/M. (Europäische Hochschulschriften Bd. 80), erhielt er 2012 den “Dr. Walther Liebehenz-Prize” for the best German Dissertation written by a non-native Speaker.

Dazu die Rezension von Bea Lundt: Sinseingnon Germain Sagbo: Tradition und Entwicklungsprozesse in Benin. 2012. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft (ZfG), Heft 6 (2014), S. 548-549.:
Sinseingnon Sagbo Diss 2013 für ZfG

Seit April 2012 ist er “Assistant Professor” an der Université d’Abomey-Calavi, Benin. Ab Februar 2014 wird der Germanist seine Stelle als Enseignant-Chercheur an der Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften antreten.

Dr. Sinseignon Germain Sagbo l Foto: Nina Paarmann

 

Unter dem Titel: “Avec les méthodes SGS, Maîtrisez la Grammaire Allemande” publizierte der Germanist soeben ein Grammatikbuch für die deutsche Sprache. Dieses Werk ist ein Ergebnis der Kooperationen mit Benin/ Westafrika, unterstützt durch den Verein “Cultural Diversity e.V.” Flensburg.

 

Dr. Mensah Wekenon Tokponto

Im Jahre 1967 wurde ich als Sohn einer bäuerlichen Familie in dem kleinen Dorf Kinta-Danli in Benin/Westafrika geboren und bin dort aufgewachsen. Zum Glück besuchte ich mit der Unterstützung meiner Eltern die Grund- und Sekundarschule in dem von Kinta 10 km entfernten Dorf Agbangnizoun, wo ich meine Mittlere Reife 1984 erfolgreich abgelegt habe. Diese Schulzeit hat mich am meisten geprägt, da ich damals die 10 km täglich d.h. morgens und abends zu Fuß zurücklegen und an allen Wochenenden meinen Eltern bei Feldarbeiten helfen musste. In dieser Zeit wurde ich auch von Märchenabenden sehr geprägt, die abends auf dem öffentlichen Dorfplatz ausgerichtet worden waren.

Nach der Mittleren Reife musste ich nach Abomey, etwa 25 km von meinem Dorf entfernt, ziehen, um dort die Sekundarstufe 2 zu besuchen. Auch in diesem Fall musste ich Schule und Feldarbeiten kombinieren; das bedeutete, dass ich mich an jedem Freitagabend nach der Schule in mein Dorf Kinta begeben musste, um meinen Eltern auf dem Feld beizustehen. Dieses Pendeln zwischen Abomey und Kinta dauerte drei Jahre. Nachdem ich mein Abitur 1987 bestanden hatte, musste ich zum ersten Mal in meinem Leben meine Eltern und mein Dorf verlassen, um mit einem Studium an der Universität Abomey- Calavi, 130 km von meinem Dorf entfernt, zu beginnen. Da ich schon in der Sekundastufe 2,  d.h. in der elften, zwölften und dreizehnten Klasse drei Jahre Deutsch gelernt hatte und von dieser Sprache sehr fasziniert war, beschloss ich, ein Germanistikstudium an der Universität Abomey- Calavi zu beginnen, das  von 1988 bis 1992 dauerte. Die Unterstützung dieses Studiums habe ich meinem verstorbenen Vater, meiner ehemaligen Deutschlehrerin Brigitte Seeberg in Benin, den  deutschen Familien Joachim und Renate Eisen aus Bottrop, Gudrun und Werner Niewerth sowie Ulrike und Volker Kitzmann zu verdanken.

Während dieses Studiums und zwar im sechsten Semester erhielt ich ein dreimonatiges DAAD- Stipendium zur Teilnahme an einem Intensivsommersprachkurs an der Universität des Saarlandes von Juli bis September 1991. Nach dem achten Semester erhielt ich erneut ein viermonatiges DAAD-Stipendium, nämlich vom Oktober1993 bis Dezember 1994 für meine Magisterarbeit zum Thema:

„Beninische Realitäten in der Sicht deutschsprachiger Reiseberichte von 1943-1990“ und habe diese Arbeit an der Universität Saarbrücken fertig gestellt. Danach bin ich in mein Heimatland Benin zurückgekehrt und legte die mündliche Prüfung zu dieser Magisterarbeit im Juni 1995 an der Universität Abomey-Calavi in Benin ab. 1996 und 1997 konnte ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter Deutschunterricht an der Deutschabteilung der philosophischen Fakultät der Universität Abomey- Calavi geben.

In dieser Zeit habe ich wieder den Kontakt zu meinem Dorf Kinta intensiver aufgenommen, wobei ich feststellen konnte, dass die Erzähltradition meiner Kindheit nicht mehr vorhanden war, da sich niemand mehr für die Märchen interessierte. Das hat mich dermaßen betroffen, dass ich mir seitdem die Aufgabe gestellt habe, die mündlich tradierten Märchen aus meiner Sprachgruppe Fon mit dem Tonbandgerät zu sammeln, um sie schriftlich festzuhalten, damit sie der Nachwelt erhalten bleiben. Ich bewarb mich  1997 um ein Promotionsstipendium zum Thema „Deutsch-beninische Märchen am Beispiel von Märchen in der Fon-Sprache mit phonetischer Transkription, Studie und Darstellung der Hauptfiguren und Themenvergleich“ beim DAAD. Diese deutsche Institution für den Austausch zwischen Hochschulen ermöglichte mir dieses Studium, das ich 2002 an der Universität Bielefeld erfolgreich abgeschlossen habe. Ende 2003 bin ich in mein Land Benin zurückgekehrt und habe einen Lehrauftrag für „Interkulturelle Germanistik“ inne. Ich sammle bis heute die mündlich tradierten Märchen nicht nur aus meiner Volksgruppe Fon, sondern auch Erzählungen aus anderen Ethnien Benins. In jedem Jahr habe ich verschiedene Arbeitsgruppen bestehend aus meinen Studenten eingesetzt, die auch Märchen aus ihren Sprachgruppen  unter meiner Leitung sammeln. Ich baue mittlerweile eine Märchenbibliothek auf, in der alle gesammelten, in die Landessprache transkribierten und niedergeschriebenen Märchen archiviert werden. Sie stellt ein Dokumentationszentrum dar,  damit die Märchen Benins vor dem Aussterben bewahrt werden.

Im Jahre 2014 wurde ich zum Professor für „interkulturelle Germanistik“ an der Universität Abomey-Calavi in Benin ernannt.

Gerade erschienen: Mensah Wekenon Tokponto: Der Regenwurm und sein Onkel. Märchen aus Benin. Quellen und Kommentare (Hg. Bea Lundt). Narrating (Hi)stories. Kultur und Geschichte in Afrika. Culture and History in Africa (Bea Lundt, Yaw Ofosu-Kusi hg.). Bd.1, Berlin 2014.

Titelblatt Tokponto

 

Meiningen, November 2015: Thüringer Märchenpreis an Mensah Wekenon Tokponto aus Benin

Prof. Dr. Mensah Wekenon Tokponto, Professor für interkulturelle Germanistik an der Universität Abomey-Calavi (Benin), wurde im November 2015 mit dem „Ludwig Bechstein-Märchen- und Sagenpreis“ ausgezeichnet.

Prof. Mensah Wekenon Tokponto referierte auf der Tagung an der EUF „Märchen und andere Narrationen in und über Afrika“ vom 02.-03.07.2015 (siehe hierzu „Tagungen“ auf diesem blog)  und stellte zudem  in der Buchhandlung Rüffer in Flensburg die Kunst des Märchenerzählens praktisch vor.

 

 

Bericht über die Preisverleihung in der Thüringer Allgemeinen Zeitung

 

„Meiningen (dpa/th) – Der Wissenschaftler und Erzähler Mensah Wekenon Tokponto aus Benin ist mit dem Märchen- und Sagenpreis «Ludwig Bechstein» ausgezeichnet worden. Die Stadt Meiningen würdigte damit am Freitagabend das Engagement Tokpontos für die Bewahrung bedrohter Märchen und Geschichten seiner afrikanischen Heimat. Der Preis ist mit 2500 Euro dotiert.

 

Der Professor für Folkloristik an der Philosophischen Universität Abomey-Calavi inCotonou hatte als Kind in seinem Heimatort Kinta den Märchenerzählern gelauscht. Gemeinsam mit seinem Studenten sammelt er die noch in der mündlichen Überlieferung existierenden Geschichten. Tokponto sei von der Idee der völkerverbindenden Kraft der Märchen überzeugt und baue als Erzähler Brücken zwischen Menschen und Kontinenten, heißt es in der Begründung zur Preisverleihung. Der Wissenschaftler, der in Saarbrücken mit einem Stipendium des Deutschen Austauschdienstes (DAAD) studieren konnte und 2002 in Bielefeld habilitiert wurde, gelte auch als ein profunder Kenner der Grimm’schen Märchen. Sein Fach an der Universität in Benin ist interkulturelle Germanistik und Erzählforschung.“

Südzeit. Eine Welt Journal Baden-Würtemberg

Tokponto_Korb

Tokponto, Mensah Wekenon: Ein Mann rettet die Märchen. In: Heft Nr.66 (September 2015), S. 12 – 13.: Tokponto Rez. 2016

 

 

Südzeit. Eine Welt Journal Baden-Würtemberg

Tokponto, Mensah Wekenon: Ein Mann rettet die Märchen. In: Heft Nr.66 (September 2015), S. 12 – 13.: Tokponto Rez. 2016

 

Dr. Constant Kpao Sarè

Constant Kpao Sarè ist Germanist an der Université Abomey-Calavi in Benin. In seinem Buch: Postkoloniale Erinnerungskultur in der zeitgenössischen deutschsprachigen Afrika-Literatur. Verlag Dr. Kovac (Studien zur Germanistik Bd. 48, Hamburg 2012 (194 S.), kritisiert er die erinnerungskuturelle Aufarbeitung und Darstellungsweise der Kolonialpolitik in europäischer Literatur.

Dazu die Rezension von Bea Lundt, erschienen in der Zeitschrift für Geschichtswissenschaft (ZfG), Heft 11 (2014), S. 970-972:
Rez. Saré 2014

 

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